Pressestimmen


29.09.2015
29.09.2015

ENGAGEMENT IN BISSENDORF

Grundschule sammelt Spenden für Flüchtlinge

 

ng Bissendorf. Die zahlreichen Flüchtlinge, die jeden Tag ihre Heimat in den Krisenregionen verlassen, um nach Europa zu gelangen, beschäftigen auch die Menschen in Bissendorf. Um den Flüchtlingen in der Gemeinde zu helfen, die bereits in Bissendorf wohnen oder noch kommen werden, hat die Grundschule Bissendorf mit Sprachförderklassen eine Sammelaktion gestartet und zahlreiche Sachspenden zusammengetragen. Am Montag wurden die Spenden an Vertreter der Gemeinde Bissendorf übergeben.

Kleidung, Spielzeug, Zahnbürsten, Waschmittel, ein Bobbycar, ein Kinderfahrrad, ein Kinderwagen und vieles mehr wurden in einem Zeitraum von zehn Tagen in der Grundschule Bissendorf gesammelt. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen und die Flüchtlinge willkommen heißen“, sagte Meike Osterfeld, die Schulleiterin der Grundschule Bissendorf bei der Übergabe der Spenden an die Gemeinde. Außerdem sei es den Lehrern wichtig gewesen, den Kindern zu zeigen, dass auch sie den Flüchtlingen helfen und selbst aktiv werden können.

 

Maximal fünf Spenden pro Kind

 

Jedes Kind durfte maximal fünf Sachen spenden. In einem Brief an die Eltern, der in Absprache mit der Gemeinde Bissendorf erstellt wurde, wurde ganz klar nach den Dingen gefragt, die in Bissendorf benötigt werden. Stundenlang haben die Schüler und Lehrer der Grundschule Kleidung, Schuhe und Spielzeug sortiert und in Kisten gepackt.

Außerdem haben die Jungen und Mädchen der Klassen 2 bis 4 Hygienepäckchen mit Seife, Shampoo, Zahnbürste und Zahnpasta zusammengestellt und mit Aufklebern in Deutsch, Englisch und Arabisch versehen, damit auch jeder versteht, was genau darin ist.

 

Thema im Unterricht

 

Die Schüler haben sich auch im Unterricht mit dem Flüchtlingsthema beschäftigt. „Die Menschen sind von weit hergereist, weil in ihren Ländern Krieg herrscht“, weiß Johannes, einer der Schülervertreter. „Wir haben die Sachen gesammelt, weil sie nichts haben“, erzählt Paul. ( Weiterlesen: So leben Flüchtlinge in Bissendorf)

In Bissendorf leben zurzeit knapp 40 Flüchtlinge. Im nächsten Jahr sollen noch 85 bis 90 Menschen dazu kommen , deshalb werden die Sachspenden wirklich gebraucht. Alles, was in der Gemeinde nicht benötigt wird, wird nach Bramsche gebracht. Bürgermeister Guido Halfter freut sich über die Hilfsbereitschaft der Grundschule Bissendorf: „Ich bin sehr beeindruckt, dass sich die Schüler, Lehrer und Eltern so für die Flüchtlinge engagieren.“ ( Weiterlesen: Syrische Familie in Bissendorf endlich sicher )

 

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Der Kinderzirkus Luftikus bereicherte die Eröffnungsveranstaltung beim 9. Osnabrücker Kongress „Bewegte Kindheit“ am Donnerstagnachmittag in der Stadthalle. Foto: Jörn Martens

NOZ vom 20.03.2015

Bildungskongress 2015 eröffnetOsnabrück gibt Impulse für eine „bewegte Kindheit“

Osnabrück. Sport und Spiel machen schlau: Davon sind die Veranstalter des Osnabrücker Kongresses „Bewegte Kindheit“ überzeugt. Von Donnerstag bis Samstag wollen sie 3000 Teilnehmern erklären, warum das so ist. Es ist die größte Tagung zum Thema frühkindliche Bildung in Deutschland.Der Kindheitskongress wird seit 1991 ausgerichtet und findet in diesem Jahr zum neunten Mal statt. Organisiert wird er vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück und dem Niedersächsischen Institut für Frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe). Die dreitägige Veranstaltung, die in der Osnabrück-Halle, an der Uni sowie in mehreren Sporthallen der Stadt über die Bühne geht, richtet sich vor allem an Erzieher, Lehrer und Übungsleiter. Zielgruppe sind außerdem Sozial- und Heilpädagogen, Ärzte und Psychologen sowie Vertreter von artverwandten Berufen.„Sie alle setzen sich ein für Kinder, für eine Kindheit, in der Kinder noch Kinder sein dürfen, in der sie Respekt und Wertschätzung erfahren und in der ihre unmittelbaren Bedürfnisse nach Spiel und Bewegung erfüllt werden“, sagt Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer. In keiner anderen Lebensphase sei der Mensch so sehr auf körperlich-sinnliche Erfahrungen angewiesen, um die Welt zu entdecken und zu verstehen, wie in der Kindheit. – ...



Bildungskongress 2015 eröffnet: Osnabrück gibt Impulse für eine „bewegte Kindheit“ | noz.de - Lesen Sie mehr auf: http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/557711/osnabruck-gibt-impulse-fur-eine-bewegte-kindheit#gallery&52562&0&557711


NOZ Stadt
Ausgabe vom 05. März 2015
Seite 12
Ressort Sport Regional


Erfolg nicht nur an Titeln zu messen
Bissendorfer Handballer kooperieren mit Grundschulen – Ziel: Spaß am Sport wecken

Bissendorf.  Bei Schrittfehlern und Übertritten am Kreis drückten die Schiedsrichter schon mal beide Augen zu; Tore zählten die Zweitklässler zwar, aber am Ende standen ausnahmslos Unentschieden in der Statistik: Beim Handball-Vormittag des TV Bissendorf-Holte in Kooperation mit der örtlichen Grundschule galten andere Regeln als im regulären Spielbetrieb.


Eine Siegerehrung gab es nach dem Turnier dennoch. Martina Rußwinkel hielt aber für alle rund 50 Zweitklässler eine Medaille mit goldenem Schein parat. „Alle sind Sieger“, betonte sie. 15 Jahre lang hat sie die Kooperation mit den Grundschulen organisiert. In diesem Jahr waren andere dran: Mit Dominik Schicke und Stephen Milius haben zwei junge Studenten das Ruder übernommen. Unterstützung gab es beim Spiel-Vormittag auch von einigen Spielern der Männer-Mannschaften des TVB. „Das ist ein Highlight für die Kinder“, sagte Rußwinkel.
„So eine Geschichte ist für die Kinder unheimlich wichtig und nachhaltig“, findet Christiane Tebbenhoff. „Ballspiele in der Schule sind nett, aber hier haben die Kinder eine ganz andere Motivation“, erklärte die Sport-Fachleiterin an der Grundschule. Mannschaftssport zu betreiben sei ebenso erstrebenswert, wie die Nähe zum Verein herzustellen, die die Kinder ohne solche Aktionen nicht fänden. Die Schule kooperiert dabei nicht nur mit den Handballern, sondern auch mit anderen Sportabteilungen.
Der TVB ist Handball-Vormacht in der Gemeinde. In zwei Unterrichtsstunden bekamen die Zweitklässler die Grundlagen des Handballs erklärt, bevor sie zum Spielfest aufbrachen. Die Kooperation mit den Schulen sei lohnenswert, macht TVB-Jugendkoordinator Jürgen Brüggemann keinen Hehl daraus, dass es auch um Nachwuchswerbung geht. „In dieser Intensität und Häufigkeit sind wir in der Handballregion Osnabrück ein Stück weit Vorreiter“, sagt er. Auch die Grundschulen in Wissingen und Schledehausen bekommen regelmäßig Besuch von den Handballern. Bei den Kleinsten soll eine „absolut spielerische Basis“ ohne Sieger und Verlierer gelegt werden, sagt Brüggemann. Dabei entdecken einige Kinder den Sport und den Verein für sich.
Auch wenn Dominik Schicke dem TVB inzwischen sehr verbunden ist, steht bei seinem Engagement nicht ausschließlich der Club im Vordergrund. „Es geht nicht nur um den Verein, sondern um die Sportart“, sagt der 23-jährige Lehramtsstudent, der sich genau wie das 24-jährige Bissendorfer Urgestein Milius im Nachwuchsbereich engagiert. Dem Sport, den Schicke vor seinem Studium in Osnabrück in seiner lipperländischen Heimat ausgeübt hat, will er zu mehr Popularität verhelfen. „Wenn wir mit solchen Aktionen zwei, drei Kinder für unseren Sport begeistern, haben wir unser Ziel erfüllt“, betont er.
Mit dem WM-Titel in Brasilien haben die Fußballer im vergangenen Jahr einen Schub bekommen. Auch die deutschen Handballer schlugen sich zu Beginn dieses Jahres in Katar achtbar, „aber dadurch, dass das nicht im Fernsehen zu sehen war, hat kaum jemand etwas davon mitbekommen. Umso mehr muss man im Training überzeugen“, sagt Schicke. Drei Mannschaften, von den Minis bis zur E-Jugend, trainiert er in Bissendorf. Die praxisnahe Nachwuchsarbeit kann der 23-Jährige gut mit seinem Studienziel verbinden. Er studiert Lehramt, Mathe und Sport.
„Dominik hat eine tolle Ansprache an die kleinen Kinder“, ist Rußwinkel begeistert. Andere wollen lieber ältere Teams trainieren und mit ihnen Erfolg haben. Schicke nicht. „Erfolg kann man im Kindersport nicht an Titeln festmachen“, sagt er. „Wenn ich sehe, dass die Kinder Spaß haben und ich dazu beigetragen habe, dann ist das auch ein Erfolg, und zwar kein unwesentlicher.“




„Happy“ begeistert Bissendorfer Publikum

Zirkus Luftikus tritt in der Grundschule auf


NOZ vom 23.07.2014


preu Bissendorf. Wenn Tücher wirbeln, Katzen kratzen und die Bälle fliegen, tritt der Zirkus Luftikus der Grundschule Bissendorf auf. Die Dritt- und Viertklässler verzauberten das Publikum mit Akrobatik, Jonglage und Tanzeinlagen in der Schulaula.
Bunt geschmückt zeigte sich der Aufführungsort den Zuschauern. Passend zum Motto drapierten Schüler, Lehrer und zahlreiche Helfer bunte Luftballons, Sternvorhänge und dunkelten die Aula ab. So wie in einer richtigen Manege. Der fulminante Auftakt stimmte die zahlreich erschienenen Gäste auf das farbenfrohe Spektakel  ein. Die Lichter flammten auf , und schon stürmten die jungen Jongleure und Akrobaten die Bühne. Bunte Bänder und Bälle ließen die 35 Schüler fliegen, unterstützt wurden sie besonders von Christiane Tebbenhoff und Maria Lintze an ihren Gitarren.
 „Alle zwei Jahre machen wir eine größere Aufführung, diesmal zum Thema ,happy‘“, erklärte Lehrerin Maria Lintze. Vor den zwei Aufführungen fand zusätzlich eine Projektwoche zum Thema statt. Dabei wurden Glückskekse gebacken, getanzt und entspannt. Die Zirkus-AG der Grundschule probt regelmäßig. Aufführung ohne Üben komme für die Kinder nicht infrage, so Lintze.
Geschickt balancierten die Schüler auf großen Kugeln, der Schwierigkeitsgrad wurde noch erhöht. Mit einem Affenzahn düsten zwei Einradfahrerinnen zwischen den Akrobaten hindurch. Die ließen sich ebenso wenig aus der Ruhe bringen wie die Salto-Künstler. Gekonnt sprangen sie über die liegenden Lehrerinnen.
Einen besonderen Höhepunkt für Augen und Seele stellten die gelenkigen Grundschüler am schwebenden Reifen dar. Sie flogen und verrenkten sich mit einer Eleganz, wie man sie sich nicht besser vorstellen kann. Für die Abschlusschoreografie reckten die Schülerinnen sich gemeinsam von einem drehenden Reifen.
In diesem Jahr bekamen die Lehrer professionelle Hilfe einer Mutter. Julia Glas, Musicaldarstellerin, wurde ins Boot geholt. „Wir fragen vorab, ob es Eltern gibt, die helfen oder Ideen haben“, erklärte Maria Lintze. Für Tia, die Tochter von Julia Glas, war das ein klarer Fall: Ihre Mutter sollte mitmachen. Gesagt, getan. Julia Glas übte mit den Kindern eine Tanzeinlage ein. Viele kleine Katzen huschten miauend über die Bühne. Mal kratzbürstig, mal anschmiegsam präsentierten sie sich.
Seit 1991 leiten Maria Lintze und Christiane Tebbenhoff die Arbeitsgemeinschaft mit viel Erfolg und Begeisterung. Nach der Aufführung gab es für die Lehrerinnen und besonders für die Schüler das Dankeschön: Applaus, Schulterklopfen und viel Lob

Streicheln für eine gute Milch

 

Bissendorfer Grundschüler besuchen Hof Detert

 

NOZ vom 29.03.2014

 

 

 
preu Bissendorf. Auf dem Stundenplan steht: die Kuh, Milchviehhaltung in Bissendorf. Die Zweitklässler der Grundschule Bissendorf standen pünktlich um 9 Uhr auf dem Hof Detert, um mehr über die Tiere zu erfahren. Ihr Wissensdurst wurde von Schülern der Berufsbildenden Schule Haste gestillt.
Die Lehrerinnen der Zweitklässler der Grundschule haben laut „Hurra“ gerufen, als die Anfrage von Fachschülerin Pia Hengelbrock kam, ob die Grundschüler den Hof Detert besuchen und mehr über Milchviehhaltung erfahren wollen. Zusammen mit ihren Kollegen und Mitschülern der einjährigen Fachschule Landwirtschaft hatte Hengelbrock ein Programm für die Grundschüler ausgearbeitet. Eine gute Gelegenheit, den Sachunterricht außerhalb des Klassenzimmers stattfinden zu lassen.
Zwischen muhenden Kühen, dampfenden Fladen und stehenden Landmaschinen tobten die Zweitklässler über den Hof, um sich den Futterbau, Kälber und Rinder, aber auch das Melken mit dem Automaten anzuschauen. Dabei hatten die zukünftigen Landwirte und Betriebsleiter die Gelegenheit, ihr Wissen an die jungen Gäste weiterzugeben und sich selbst in „Öffentlichkeitsarbeit“ zu üben.
Jeweils ein erwachsener Schüler führte die Zweitklässler-Gruppen in sein vorbereitetes Fachgebiet ein, begleitet von einem Mitschüler, einem stillen Beobachter, der seinen Kollegen bewertete. Dabei wurden die verständliche und vollständige Erklärung zensiert, ebenso wie das Einbinden der Grundschüler. Auch das Zeitmanagement und die Motivation der Gruppen wurden unter die Lupe genommen.
Praktische Übungen und die eigene Mitarbeit gefielen den Grundschülern besonders gut. Über ein erstaunliches Wissen zum Thema „Milch“ verfügten sie bereits, und selbst beim Melken gaben sich die meisten mutig.
Anders als die älteren Fachschüler werden die Kinder aber nicht benotet, in Interviewfragen wurde trotzdem das neue Wissen abgerufen: „Woraus besteht Käse?“ oder besonders wichtig für die spätere Karriere: „Wie viel verdient ein Landwirt?“ Die Antworten waren ein Klacks für die kleinen Hofbesucher.
 Am Mittag war die Win-win-Strategie aufgegangen. Die Fachschüler verbesserten ihre Leistung in der Berufs- und Arbeitspädagogik. Die Grundschüler gingen mit einem Sack voll Wissen vom Hof, und die Kühe bekamen unzählige Streicheleinheiten. 


Bissendorf bangt um Sprachförderklassen

Kultusministerin Heiligenstadt (SPD) besucht Unterricht – Entscheidung über Zukunft weiter offen

 
Foto: NOZ vom 06.03.2014
Foto: NOZ vom 06.03.2014

Bissendorf. Die Grundschule und Gemeinde Bissendorf müssen weiter um den Erhalt ihrer Sprachförderklassen bangen. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) kündigte nach einem zweistündigen Besuch der Schule am Mittwoch an, dass ihre Eindrücke aber in die Entscheidungsfindung einfließen sollen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen der Grundschule Bissendorf und dem Sprachheilzentrum Werscherberg ist einzigartig in Niedersachsen – doch künftig fallen die Sprachförderklassen beim Weg des Landes zur inklusiven Schule durchs Raster.

Inklusion hat zum Ziel, Kinder mit Handicaps nicht länger in Förder-, sondern in Regelschulen zu unterrichten; die Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache sollen sukzessive aufgelöst werden. Für Kinder mit Beeinträchtigungen soll dies ein Stück mehr Normalität bedeuten. 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention und hat sich damit verpflichtet, deren Ziele gesetzlich umzusetzen. Der Start der inklusiven Schule in Niedersachsen war im August 2013.

Grundschule und Gemeinde Bissendorf sowie das Sprachheilzentrum am Werscherberg befürworten die Inklusion – aber eben nicht auf Kosten der Sprachförderklassen. „Unser sehnlichster Wunsch ist: Machen Sie eine Ausnahme von der Regel“, appellierte der therapeutische Leiter des Sprachheilzentrums, Johannes Faust, an die Ministerin.

Am Werscherberg werden bis zu 40 Kinder und Jugendliche mit komplexen Sprachstörungen aus ganz Niedersachsen für bis zu anderthalb Jahre stationär behandelt. Für sie ist das meist die letzte Chance auf ein normales Leben. „Alle sind schon vorbehandelt“, erläuterte Faust, „entweder ambulant oder teilstationär.“ „Es ballen sich hier in Bissendorf Kinder mit so schweren Sprachstörungen, wie Sie es sonst nirgendwo haben.“ An der Grundschule Bissendorf werden sie und andere Kinder mit Sprachstörungen aus der näheren Umgebung in den kleinen Sprachheilklassen intensiv gefördert, erläuterte Schulleiterin Heike Oberkötter. Von ihren 226 Schülern seien 26 Kinder mit Sprachschwierigkeiten, 16 davon vom Werscherberg. Würden die Förderklassen aufgelöst, müssten sie auf alle anderen Schulen verteilt werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Sprachheilzentrum und Grundschule sei „seit vielen Jahren schon gelebte Inklusion“, betonte Bürgermeister Guido Halfter. Oberkötter erläuterte, dass die Sprachheil-Kinder nicht nur auf dem Pausenhof von den Regelkindern nicht zu unterscheiden seien, sondern dass sie im Schülerrat ebenso selbstverständlich vertreten seien wie in AGs und beim Krippenspiel. Mehr als 1000 Unterschriften hatten Eltern, Rat und Verwaltung im Juni 2013 für den Erhalt der Förderklassen gesammelt.

Heiligenstadt zeigte sich beeindruckt – nicht nur vom Unterricht, sondern auch von der Präsenz der Landes- und Kommunalpolitiker sowie Lehrer und Eltern bei ihrem für Bissendorf so wichtigen Besuch. Ihr sei bewusst geworden, dass die Situation in Bissendorf durch das Sprachheilzentrum eine besondere sei. Die Landesregierung erarbeite derzeit einen Gesetzesentwurf und sammele Informationen. „Dazu gehört auch der Besuch hier“, so Heiligenstadt. „Sie haben heute ganz entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung genommen.“

 

Silbe für Silbe in die Normalität finden

Unterricht in einer Sprachheilklasse

 
Foto: NOZ, 06.03.2014
Foto: NOZ, 06.03.2014

sdo Bissendorf. Kevin ist ein pfiffiger Junge – nur mit dem Sprechen hapert es. „Au“, sagt der Erstklässler, als er in der Pause erklären will, dass er aus Bauklötzen ein Haus baut. Doch er ist als einer der Ersten fertig, als seine Mathematik-Lehrerin ihm und seinen Mitschülern zeigt, wie sie ihren Hausaufgabenzettel zu einem kleinen Heft falten sollen. Als sein Klassenkamerad Jérôme damit nicht weiterkommt, hilft Kevin ihm sofort.

Kevins Klasse 1d an der Grundschule Bissendorf ist eine der Sprachheilklassen, in denen Förderlehrer den Kindern beibringen, wie sie sich verbal ausdrücken können. Sie alle haben wie Kevin Schwierigkeiten, Worte zu finden und zu verstehen.

Als Deutschlehrerin Madeleine Bruns den Klassenraum betritt, stürmen gleich mehrere der sieben Mädchen und Jungen auf sie zu und umarmen sie fest. „In diesen Klassen läuft ganz viel über Beziehungsarbeit“, erläutert Bruns lächelnd.

Viele Kinder haben ein angeknackstes Selbstbewusstsein, wenn sie in die Bissendorfer Sprachförderklassen kommen. Manche sind frustriert, weil sie zuvor eine Regelklasse besucht haben und dort nicht mitgekommen sind. Andere sind übermäßig zurückhaltend, weil sie nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen, oder Angst haben, ausgelacht zu werden.

Alle Schüler der Klasse 1d wohnen für ein halbes bis anderthalb Jahre im Sprachheilzentrum am Werscherberg – unter der Woche getrennt von ihren Eltern. Kein Wunder also, dass sie sich besonders an die Lehrerin klammern.

Sie spricht leise mit den Kindern, verschafft sich aber freundlich Respekt. „Räumt jetzt bitte alle Sachen vom Tisch. Die Federmappe könnt ihr liegen lassen“, ordnet sie an. Bruns beginnt den Unterricht mit einem Ratespiel. Die Kinder sollen mit geschlossenen Augen Gegenstände aus einem Stoffbeutel ziehen und herausfinden, was sie in den Händen halten. Pia fängt an und zieht eine Maus heraus. „Helft Pia mal“, fordert die Lehrerin auf. „Mit welchem Buchstaben fängt das Tier an?“ „M“ summen mehrere und halten sich eine Hand an den Mund – die Lautgebärde für den Buchstaben. „Eine Maus!“, ruft Pia und strahlt. „Super“, lobt Bruns. Dann lässt sie die Kinder noch die Silbenzahl klatschen – einmal also. „Das Klatschen haben wir ganz häufig wiederholt“, erläutert die Lehrerin. Jedes Kind kommt an die Reihe, zur Maus gesellen sich ein Nashorn, Elefant, Löwe und eine Sonnenbrille – mit vier Silben ein ziemlich schwieriges Wort.

Bruns’ Unterricht beruht auf möglichst vielen Wiederholungen. „Bis zum Ende der zweiten Klasse haben die Kinder Zeit, die Schriftsprache zu lernen“, sagt die Lehrerin. „In einer normalen Grundschulklasse könnten sie untergehen.“

Buchstabe für Buchstabe, Silbe für Silbe und dann Wort für Wort lernen die Kinder Sprechen, Lesen und Schreiben. „Ich fühle mich manchmal wie ein Schatzsucher“, sagt Bruns. „Manche konnten am Anfang nicht mal ihren Namen sagen und haben sich versteckt.“ Um im Alltagsleben zurechtzukommen, sei die Sprache aber Grundvoraussetzung.

Die Sprachstörungen sind keine geistigen Behinderungen. Es gibt Kinder, die durch eine Mittelohrentzündung den Spracherwerb im frühen Alter verpasst haben, oder Mutisten, die nur zu Hause sprechen wollen. All das versuchen Bruns und ihre Kollegen in den Förderklassen zu heilen.

 

Gemütliches Leselager in Grundschule

Vorleser tragen ihre Lieblingsgeschichten vor

Foto: Neue OZ, 18.02.2014
Foto: Neue OZ, 18.02.2014

NOZ vom 18.02.2014 b.r. Bissendorf. Ein Leseabend ist urgemütlich, spannend, und außerdem macht er noch schlau. Derart vielfältige Erfahrungen mit Büchern und Vorlesern machten die Schüler der Grundschule Bissendorf. Zum vierten Mal wurden die Klassenräume zu kuscheligen Lese lagern.

Wolfgang Simon ist durchaus bekannt in der Grundschule Bissendorf. An diesem Abend kam er weder als ehemaliger Schulleiter noch als Vorsitzender der Verkehrswacht, sondern als Vorleser. Mit dabei hatte er jede Menge Zeit und sein Lieblingsbuch von der Familie Zoffke. Daraus las er Geschichten von Sonja und der Bestie Betsi, vom ersten Kuss und von  offenen Zahnpastatuben. Mucksmäuschenstill war es dabei im Leseraum. Mit Wolfgang Simon lasen elf weitere in Bissendorf bekannte Menschen den Kindern vor. Zu Beginn des Abends hatten sie sich und ihr Lieblingsbuch allen 150 Leseratten vorgestellt. Danach ging es samt Kuscheldecke und Kissen in die gemütlich hergerichteten Klassenräume. Sportabzeichen-Trainer Manfried Hoffmann wählte die alten Geschichte von Max und Moritz.

Weil die Wilhelm-Busch-Streiche noch besser mit den lustigen Bildern sind, brachte er neben dem Lesebuch auch einen Beamer und die bekannten Bilder mit. Für den achtjährigen Jane waren die Laus bubengeschichten völlig neu. Sein Urteil: „Der siebte Streich ist der beste. Da werden Max und Moritz durch die Mühle gedreht.“ Erstmals organisierte Grundschulmutter Anja Kursawe den Vorleseabend. Sie hatte ausgewählte Kinderbücher aus der Gemeindebücherei geholt. Unterstützung erhielt die lesebegeisterte Mutter auch von den aktiven Mitgliedern des Fördervereins der Schule. Während die Kinder in den Klassenräumen gebannt zuhörten, bereiteten sie ein gesundes Pausenbuffet für das große Vorlesefinale vor.

 


Krippenspiel der Grundschule Bissendorf

Der Stall von Bethlehem in der Achelrieder Kirche: Die Schulkinder der dritten Klassen spielten für ihre Eltern und Straßenkinder in Brasilien. Foto: Bärbel Recker-Preuin
Der Stall von Bethlehem in der Achelrieder Kirche: Die Schulkinder der dritten Klassen spielten für ihre Eltern und Straßenkinder in Brasilien. Foto: Bärbel Recker-Preuin

b.r. Bissendorf. Diese Geschichte ist schon über 2000 Jahre alt und noch immer aktuell. Deshalb wird sie auch von den Bissendorfer Grundschulkinder alljährlich mit Begeisterung aufgeführt. Das Krippenspiel „Christ der Retter ist da“ wurde zur perfekten Familieneinstimmung.

In jedem Jahr verwandelt sich der Altarraum der evangelischen Kirche Achelriede zu „Alt Kanaan“. Viele Kinder gehen in dieser Stadt ein und aus. Es sind die Drittklässler der Grundschule, die traditionell ihr Krippenspiel aufführen. Alle machen mit, als Schauspieler, im Chor oder als Requisiteure. Wahrscheinlich würden heutzutage die Menschen ebenso abweisend reagieren, wie damals in Bethlehem, meinten die Kinder. Was macht Maria eigentlich so sicher, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird und wieso glauben die Menschen, dass gerade dieses Kind der Retter der Welt ist? Die Grundschüler gingen in Liedern und Texten diesen Fragen auf den Grund und fanden Antworten. Als sichtbare Zeichen des Lichtes der Welt gingen die Schüler anschließend mit Kerzen durch die Kirche. „Wir singen im Schein der Kerzen“, stimmten die Eltern und Angehörigen ein. Die dritten Klassen spielten die Geschichte von Jesu Geburt aus einem weiteren Grund: Sie sammelten für Straßenkinder in Brasilien und das Projekt „A chance for kids.“

 


Schülerlotsen und das Walking-Bus-Team übernehmen die Schulwegsicherung. Als Dankeschön luden Gemeinde und Verkehrswacht zum Pizzaessen ein.Foto: Recker-Preuin NOZ
Schülerlotsen und das Walking-Bus-Team übernehmen die Schulwegsicherung. Als Dankeschön luden Gemeinde und Verkehrswacht zum Pizzaessen ein.Foto: Recker-Preuin NOZ

 

Neue OZ vom 06.01.2014

 

Bissendorf. Bürgermeister Guido Halfter hat damit Probleme, doch 22 Schüler der Oberschule am Sonnensee machen es trotzdem. Sie kommen mindestens einmal in der Woche freiwillig etwas früher aus den Federn. Der Grund: sie sind Schülerlotsen und sichern für ihre jüngeren Mitschüler den Schulweg. Der Dank des Bürgermeisters und der Verkehrswacht war ihnen sicher.

 

Die Gemeinde Bissendorf weiß, was sie an ihren Ehrenamtlichen hat. Besonders an den Schülerlotsen, denn wer so früh ein Ehrenamt bekleidet, kommt häufig auch im Erwachsenalter nicht davon los und engagiert sich weiter. Deshalb lud die Gemeinde 22 Schülerinnen und Schüler der Oberschule am Sonnensee ein, die im letzten Jahr bei Wind und Wetter an den Überquerungen zum Schulzentrum ihren Dienst getan haben. „Ihr habt Super-Arbeit geleistet,“ sagte Halfter und er verband das Lob mit der Bitte an Verkehrsobmann und Lehrer Sven Gärtner. Er möge die jungen Menschen in ihrem Ehrenamt „bei der Kelle halten“. Ein Bürgermeister könne nicht alles allein machen, erläuterte Wolfgang Simon. Deshalb übernehme die Verkehrswacht Aufgaben der Schulwegsicherung, so der Vorsitzende des Ortsvereins. Da aber diese örtlichen Verkehrsschützer nichts ohne Ehrenamtliche sind, sei es gut, so motivierte Schüler an der Seite zu wissen.

Natalie Bessel ist so eine motivierte Schülerin. Die Zehntklässlerin ist bereits seit der 7. Klasse Schülerlotsin. Einmal in der Woche übernimmt sie den Dienst an der Meller Straße und begleitet etwa 15 Mitschüler sicher über die stark befahrene Straße. Am Schulzentrum stehen die Brüder Kilian und Timon Pullwitt. „Weil es Spaß macht“, versicherte Kilian, und Natalie ergänzte: „Weil man den kleinen Kindern doch helfen muss.“

Zum Danke-Nachmittag für die Schülerlotsen kamen auch Erwachsene, die Walking-Bus-Eltern. Das Team ist auf neun Eltern angewachsen. Sie begleiten täglich 19 Grundschüler von Achelriede aus zu Fuß zur Schule. Verschiedene Haltestellen werden „angewalkt“ und an jeder Haltestelle schließen sich Kinder an. „Der Walking-Bus ist eine große Hilfe für Grundschuleltern,“ so Rektorin Heike Oberkötter.

Alle zusammen -Schülerlotsen und Walking-Bus-Eltern - genossen das Dankeschön von Gemeinde und Verkehrswacht und ließen sich danach bei Pizza und Pasta verwöhnen.

 

 

Ein Artikel von

 

Bärbel Recker-Preuin

 

 

 

 


Benefiz-Läufer verneigt sich vor Schülern

Bissendorfer Jungen und Mädchen spenden 4000 Euro für McGurks Hilfsorganisation

Fleißig waren Kinder, Eltern und Lehrer beim Martinsmarkt der Grundschule Bissendorf mit Sprachförderklassen. Sie werkelten und verkauften reichlich zugunsten des Vereins „Sportler 4 a childrens world“. Die Höhe des Erlöses überraschte den Vereinsvorsitzenden John McGurk sehr: Genau 4027,62 Euro erhielt er von den Klassensprechern für sein aktuelles Projekt, mit dem er brasilianische Kinder abseits der Gesellschaft unterstützt.
„Einen Scheck zu überreichen war uns zu simpel. Wir haben das Geld in eine nett verpackte Box gelegt“, sagte Schulleiterin Heike Oberkötter. Der Erlös des traditionellen Martinsmarkts zugunsten einer Hilfsorganisation sei diesmal für den Verein gedacht, weil das bisher unterstützte Projekt in Peru ausgelaufen sei, erklärte sie.
Die Schulaktion fand viele Unterstützer in den Familien und der Lehrerschaft. Beispielsweise koordinierte Lehrerin Maria Lintze erneut die Aktion, mit der sich die Pädagogen einbrachten. „Diesmal ist der Erlös besonders hoch. Im Vorjahr war es wesentlich weniger“, berichtete sie und, dass auch beim Krippenspiel der Drittklässler für die Kinder in Brasilien gesammelt worden sei.
Nun umringten 13 Klassensprecher im Schulfoyer John McGurk. Der gebürtige Schotte, der seine Benefizläufe im Kilt absolviert, stand in der schottischen Nationaltracht vor ihnen. Besonders beeindruckten die Mädchen und Jungen die Informationen aus erster Hand, denn McGurk war vor Kurzem in den Favelas (Armenvierteln) von São Paulo. Dort traf er den brasilianischen Fußballnationalspieler Cafu, der mit seiner Stiftung in Kooperation mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes ein Projekt unterstützt. Für das sammelt der Verein „s4acw“ derzeit Spenden.
Als John McGurk hörte, wie hoch die Summe ist, sagte er bewegt: „Das ist wunderbar. Es ist der höchste Betrag, den eine Schule gesammelt hat. Ich verneige mich vor euch. Das ist so ein schöner Erfolg kurz vor Weihnachten. Ihr seid richtige Weihnachtsmänner und -frauen.“ Als er die schwere Box anhob, staunte McGurk: „Die wiegt ja mehr als zehn Kilo.“
Kindgerecht beschrieb er die Situation der Gleichaltrigen in den Favelas: „Die Eltern haben kaum Geld. Viele tragen zerrissene Kleidung. Ich war in Schottland selbst so ein Kind und habe mir geschworen, solchen Kindern zu helfen.“ Mit dem Geld erhielten die jungen Brasilianer Perspektiven. Sie können eine Schule besuchen, damit sie später eine Arbeit finden und Geld verdienen.
Cafu beschrieb er so: „Das ist ein weltweit bekannter Fußballer; wie Lukas Podolski – nur älter. Cafu hat zu mir gesagt, ich möge mich bei euch allen bedanken. Seine Stiftung wird von euch erfahren und auf deren Homepage berichten. Am Nikolaustag, 6. Dezember, könnt ihr ihn sehen, wenn er im Fernsehen die Paarungen für die Weltmeisterschaft zulost.“
Tia, Mathes, Lisa, Dominik, Luca und andere stellten Fragen. Die Antworten McGurks und die Informationen über die Armenviertel gaben die Schüler in den Klassen weiter. Weiterhin berichtet der Läufer mit dem großen Herz für Kinder über das Projekt 2015: „Wir bereiten es seit zwei Jahren gegen Kinderarmut in Deutschland vor.“


Neue Osnabrücker Zeitung Ausgabe Nord
Ausgabe vom 19. November 2013
Seite 19
Ressort Lokales

Bissendorfer bitten die Ministerin zum Besuch

Einsatz für den Erhalt der Sprachheilklassen

 

Inklusion ist gut und der Weg in die Zukunft, natürlich auch die inklusive Schule, in der Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen. Doch das Bissendorfer Modell sei besser, meinen viele. Das heißt: An der Grundschule Bissendorf gibt es Förderklassen, die zurzeit 25 Kinder des Sprachheilzentrums Werscherberg besuchen. Eltern, Schule, Sprachheilzentrum, Rat und Verwaltung und Gerda Hövel, Mitglied des Niedersächsischen Landtages, wollen alles tun, um dieses Sondermodell zu erhalten.

Darum geht es: Seit mehr als 30 Jahren gibt es im Sprachheilzentrum Werscherberg, der stationären Awo-Einrichtung für sprach- und kommunikationsgestörte Kinder, eine Kooperation mit der Grundschule Bissendorf. Die hat speziell für diese Kinder Förderklassen eingerichtet. In kleinen Klassen kann gezielt auf die Defizite der einzelnen Kinder reagiert werden. Eine perfekte Ergänzung zur stationären Therapie, versichert Margret Niehenke vom Sprachheilzentrum. Und eine erfolgreiche, denn fast alle Kinder besuchen nach ihrer Therapie eine Regelschule. Würde wie von der niedersächsischen Landesregierung geplant die Ausweitung der inklusiven Schule zum Schuljahr 2015/2016 im Sinne der Behindertenrechtskonvention umgesetzt, entfielen diese Förderklassen. Für Margret Niehenke bedeutet das: „Unsere Kinder würden in der Grundschule komplett untergehen.“

Auch die Ratsherren Holger Kluss und Volker Buch stellen sich vehement gegen die Auflösung des Bissendorfer Modells. „Die Förderklassen reichen wesentlich weiter als die jetzt angestrebte inklusive Schule. Alles andere wäre in Bissendorf ein Rückschritt“, so Holger Kluss.

1000 Unterschriften

In Hannover machte Landtagsmitglied Gerda Hövel auf die besondere Situation in Bissendorf bzw. auf die Kooperation zwischen Sprachheilzentrum und Grundschule aufmerksam. Unter anderem überreichte sie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt eine Liste mit 1000 Unterschriften von Eltern und Befürwortern der Förderklassen. Gerda Hövel und die Gemeinde erhielten jetzt eine Antwort auf ihre Initiativen. Und die stimmt positiv. Die Ministerin verweist zwar in ihrem Brief allgemein auf den Beschluss zur Umsetzung der inklusiven Schule und macht keinerlei Zusagen, bestätigt wird aber die besondere Situation in Bissendorf. Die Erfahrungen mit unterschiedlichen Konzepten für sonderpädagogische Förderung in den Regionen sollen berücksichtigt werden, außerdem sichert Heiligenstadt zu, „dass das Bissendorfer Kooperationsmodell und seine möglichen Perspektiven rechtzeitig in die Prüfung einbezogen werden“. Bürgermeister Guido Halfter erhielt außerdem die Zusage für einen Besuch der Kultusministerin in Bissendorf.

So geht es weiter: In Bissendorf werden das Besuchsversprechen und das Schreiben als positives Signal gewertet, aber nicht als Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Gemeinsam wollen Eltern, Lehrer, Sprachheiltherapeuten und Kommunalpolitik weiter auf die besondere Situation aufmerksam machen und mit Aktionen für den Erhalt der Förderklassen eintreten. Was den Besuch angeht, soll die Ministerin beim Wort genommen werden, denn besser als jedes Anschreiben sind die direkten Erfahrungen beim Unterricht in den Förderklassen.


Neue Osnabrücker Zeitung Ausgabe Nord

Ausgabe vom 16. November 2013

Seite 25

Ressort Lokales

 

 

Bürgermeister liest in der Grundschule vor

Halfter nimmt am 10. Vorlesetag teil

 

Guido Halfter nahm schon öfter am bundesweiten Vorlesetag teil, doch für die Viertklässler in Bissendorf war es am Freitag eine Premiere, als ihnen der Bürgermeister vorlas.

„Guten Morgen, Herr Bürgermeister“, begrüßten die Schüler Halfter, kurz darauf ging es auch direkt los. Als Buch hatte der Bürgermeister „Der kleine Ritter Trenk“ von Kirsten Boie ausgewählt.

Darum geht es in der Geschichte: Der Bauernsohn Trenk kann die Grausamkeit von Ritter Wertold nicht mehr ertragen, unter der auch sein Vater regelmäßig leiden muss. Als dieser wieder einmal Schläge bekommen soll, reißt der Junge aus, um in der Stadt sein Glück zu machen und seiner Familie zu helfen.

Er lehnt sich damit gegen die Regel auf: „Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang.“ Halfter nahm diese Redensart zum Anlass, um mit den Kindern über die Situation der Bauern im Mittelalter zu sprechen. Er fragte die Viertklässler, wem sie denn heute gehören würde, und Juliana (11) erklärte: „Uns selber.“

Halfter stellte außerdem fest, dass die Kinder von heute im Vergleich zu denen im Mittelalter viel mehr Chancen hätten, und fragte: „Was hatten die nicht, was wir heute haben?“ „Einen Fernseher“, lautete die erste Antwort der Schüler, die über das Mittelalter gut informiert waren. Ferner habe es damals keine Laptops, Videospiele, Spielzeug und Playstation gegeben, und auch keine Hausaufgaben oder Fischstäbchen mit Kartoffelbrei.

Als der Gong das Ende der Vorlesestunde signalisierte, berichtete Juliane: „Mir hat es sehr gut gefallen, ich finde, der Bürgermeister hat toll vorgelesen.“ Ramón (10) ergänzte, Halfter habe so langsam vorgelesen, dass man alles verstehen und sich vorstellen konnte. „Ich hatte die Bilder in Gedanken, wie eine Bildergeschichte“, erzählte der Zehnjährige.

Am 10. Vorlesetag nahmen 80 000 ehrenamtliche Vorleser teil. „Heute lesen fast genauso viele Menschen vor wie an allen neun vorherigen Vorlesetagen zusammen“, erklärte Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, die den Aktionstag gemeinsam mit der Zeitung „Die Zeit“ und der Deutschen Bahn initiiert. Das sei ein toller Erfolg, der das wachsende Bewusstsein für die Bedeutung des Vorlesens für die Entwicklung von Kindern widerspiegele.


NOZ vom 29.09.2013

 

Bissendorf.

 

Bei den Schülern der Grundschule Bissendorf liegt der Wald vor der Tür. Was liegt deshalb näher, als einen Schulvormittag lang auch dorthin zu gehen? Wenn das Ganze dann mit einem Wettbewerb sowie zusätzlich mit Wissenswertem und Bewegung verbunden wird, ist es dreifach gut. So wie bei den Waldspielen.

 

Für Finja war die Wackelbrücke der Höhepunkt des Waldtages; für ihre Freundin Larissa dagegen die Flussüberquerung. Ein Seil symbolisierte die reißenden Fluten, deshalb war dieses Abenteuer auch vollkommen ungefährlich. An elf Stationen galt es an diesem Tag, den Wald zu entdecken und dabei viel Bewegung und Spaß zu haben. Baumstämme balancieren, das Seil hochklettern und dann eine Glocke läuten, mit verbundenen Augen einen Parcours bewältigen und wie ein Känguru ans Ziel hüpfen – so lauteten einige der Aufgaben beim Weg durch den Werscher Berg.

 

Es ging um die schnellste Zeit, um Geschicklichkeit, vor allem aber um das Gemeinschaftsgefühl. Denn vier bis sechs Kinder gehörten zu einer Gruppe. Da jeder Stärken und Schwächen hat, wurden die gegenseitige Hilfe und das Miteinander fast zur wichtigsten Aufgabe.

 

In jedem Jahr wird ein Schulvormittag für derart ungewöhnliche Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers genutzt. Bundesjugendspiele, Waldjugendspiele, die Olympiade oder jetzt die Waldspiele stehen dann auf dem Stundenplan. Da sich alle Kinder - insbesondere die aus der 4a als Ausrichter - für die Waldspiele mächtig ins Zeug gelegt hatten, erhielt auch jeder eine Urkunde. Die siegreichen Mannschaften konnten sich außerdem über einen Pokal und alle Mitglieder über einen Kompass für weitere Waldabenteuer freuen

 

 

 


NOZ vom 25.06.2013

Bissendorfer für Erhalt der Förderklassen

Landtagsabgeordnete besuchen die Grundschule – Unterschriftenliste überreicht

 

Bissendorf. Eltern, Rat und Verwaltung in Bissendorf wehren sich gegen die Schließung der Sprachförderklassen. Eine Liste mit mehr als 1000 Unterschriften ist jetzt niedersächsischen Landtagsabgeordneten überreicht worden.

Der Sprechball ging an Lukas, der zurzeit im Sprachheilzentrum Werscherberg wohnt. Der Erstklässler erzählte seinen Mitschülern der Förderklasse in der Grundschule Bissendorf von seinen Erlebnissen am Wochenende. Das Wort „Kette“ ging ihm nicht gut von den Lippen. Macht nichts, seine Lehrerin und die Mitschüler halfen. In dieser Klasse wird die Inklusion an jedem normalen Tag praktiziert. Wenn allerdings der Beschluss der Landesregierung wie geplant umgesetzt wird, könnte diese inklusive Normalität in Bissendorf bald zu Ende gehen. Dagegen wehren sich die Eltern, Rat und Verwaltung. Sie trugen ihre Bedenken den Landtagsabgeordneten Gerda Hövel, Clemens Lammerskitten (beide CDU) und Claus-Peter Poppe (SPD) vor.

„Wir Eltern vom Sprachheilzentrum Werscherberg sind dagegen, das Erfolgmodell zu verändern“, sagte Frank Buck-Siefker, Elternvertreter des Awo-Sprachheilzentrums. Silke Pohl und Angela Firmer, Elternvertreterinnen der Grundschule, ergänzten: „Wir Eltern sind für die Inklusion.“ Beide Forderungen stehen in Bissendorf im Einklang.


 

NOZ vom 22.06.2013

Erfolgsmodell droht durch Inklusion das Aus

Unterschriftenaktion der Eltern zum Erhalt der Sprachheilklassen an Bissendorfer Grundschule

Bissendorf . Die Sprachheilklassen der Grundschule Bissendorf werden nach den Inklusionsplänen der neuen Landesregierung zum Auslaufmodell. Die rot-grüne Landtagsmehrheit hat sich darauf verständigt, dass die Förderschulen Sprache ab dem Schuljahr 2014/15 aufsteigend mit dem 1. Schuljahr keinen neuen ersten Klassenjahrgang mehr aufnehmen. Die Entscheidung trifft bei Eltern auf völliges Unverständnis. Der Schulelternrat hat in kurzer Zeit bereits rund 200 Protestunterschriften gesammelt.

Die Inklusion – das gemeinsame Lernen von Schülern mit und  ohne Lern-Handicap – ist für die Schulelternratsvorsitzende Silke Pohl und Elternvertreter Frank Buck-Siefker ein schöner Gedanke – aber er dürfe nicht zu einer Verschlechterung der Lernsituation für Schüler mit einem speziellen Förderbedarf im Bereich Sprache führen. Außerdem kritisieren beide, dass der Elternwille bei den Plänen der Landesregierung auf der Strecke bleibe. Silke Pohl: „Die Grundschule ist mit ihren Förderklassen ein Vorzeigemodell, was die Verbesserung der Schulchancen für Kinder mit speziellem Förderbedarf betrifft. Hier bekommen Schüler die Fitness, die es ihnen ermöglicht, anschließend wieder in einer Regelklasse den Schulweg erfolgreich fortzusetzen.“ Denn die Rückschulungsquote liege im Sprachförderbereich bei „nahezu“ 100 Prozent.

Erfolgreiche Unterstützungskonzepte, wie sie zum Beispiel in Bissendorf mit den Sprachheilklassen oder in Hagen-Gellenbeck mit der Sprachförderklasse sowie an sieben Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Landkreis bestehen, haben aber nach den derzeitigen Plänen der Landtagsmehrheit künftig keine Chance mehr. Dabei gibt es in Niedersachsen kein vergleichbares Förderangebot wie in Bissendorf mit Grundschule und Sprachheilklassen sowie einer Verbindung mit einem Sprachheilzentrum wie der Awo-Einrichtung am Werscherberg.

Der Schulelternrat: „Das Konzept der Grundschule und des Werscherbergs, Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen gezielt zu beschulen, um damit eine Chancengleichheit und einen guten Start in die Regelschule zu ermöglichen, hat sich bewährt und ist eine wirkungsvolle Art der Inklusion.“ Mit den künftig vorgesehenen zwei Klassen-Förderstunden pro Woche sei dieses Unterstützungsniveau nicht möglich.

Derzeit gibt es drei bis vier Sprachheilklassen mit jeweils bis 14 Kinder. Zum Vergleich: In einer normalen Grundschulklasse werden bis zu 26 Kinder unterrichtet.

Zum Schuljahreswechsel und zum Halbjahr sind Neuaufnahmen in den Sprachheilklassen möglich – im Gegensatz zu Sprachförderklassen, die bereits ab 2013/14 keine neuen Schüler mehr aufnehmen. Die Förderung ist so gut, dass die Kinder oft nach einem oder zwei Jahren wieder an die Regelschule zurückkönnen. Eine Mutter, deren Sohn die Grundschule besucht: „Es ist kurios, hier lernen die Kinder wieder das Sprechen und trauen sich etwas, nachdem sie zuvor in der Regelschule Probleme hatten. Und jetzt sollen sie künftig dorthin zurück, wo sie zum Teil ihre Sprache verloren haben. Das ist für Eltern nicht zu verstehen und hat für mich mit Inklusion nichts zu tun.“

Die Unterschriftenlisten zum Erhalt der Sprachheilklassen an der Bissendorfer Grundschule liegen am Sonntag auch beim diesjährigen Sommerfest des Awo-Sprachheilzentrums am Werscherberg aus.


 

NOZ vom 02.05.2013

„Wohl der Sprachheilkinder im Vordergrund“

Schulausschuss stimmt für Erhalt der Förderklassen Werscherberg

Bissendorf. In Bissendorf will man beides: die inklusive Schule und die Förderklassen in der Grundschule Bissendorf. Der Schulausschuss der Gemeinde stimmte einmütig für den Erhalt dieser Förderklassen, die von Kindern des Sprachheilzentrums Werscherberg besucht werden.

Jetzt ist Überzeugungsarbeit im niedersächsischen Kultusministerium nötig, denn dieses Modell ist in Niedersachsen einzigartig und steht einem Beschluss der Landesregierung zur Umwandlung in inklusive Schulmodelle entgegen.

Zum ersten Mal tagte der Schulausschuss in den Räumen des Sprachheilzentrums Werscherberg. Das natürlich nicht ohne Grund, denn es ging um die Sprachheilkinder in dieser Awo-Einrichtung. 16 Kinder gehen in die Sprachheil-Kita, und rund 40 Kinder und Jugendliche bis zu 17 Jahren werden stationär betreut, das heißt: Sie leben in familienähnlichen Gruppen, die Verweildauer ist durchschnittlich ein Jahr. Während dieser Zeit erhalten sie eine Sprachtherapie. Zudem besuchen die Sprachheilkinder eine Schule, zumeist die Grundschule Bissendorf. Deshalb gibt es dort Förderklassen mit maximal 14 Kindern.

Dieses Netzwerk zwischen Therapie, Elternhaus und Schule sei optimal, versicherten Heike Oberkötter, Grundschulleiterin in Bissendorf, und Kornelia Hunsche-Frach, Leiterin des Sprachheilzentrums.

Laut einer UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung sollen alle Schulen in Niedersachsen schrittweise die inklusive Pädagogik einführen. Also: alle Kinder sollen unabhängig von ihrem Entwicklungs- und Förderbedarf in einer inklusiven Schule gefördert und unterricht werden. Im Schuljahr 2014/15 wird mit den Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache begonnen.

Würde dieser Beschluss umgesetzt, fielen die Förderklassen in der Grundschule Bissendorf weg und die etwa 30 spracheingeschränkten Kinder müssten in Regelklassen mit nur zwei Wochenstunden Förderunterricht wechseln.

Damit bliebe das Schulkonzept des Sprachheilzentrums auf der Strecke und die vernetzte Förderung der Kinder auch, befürchten die Pädagogen. Die meisten Grundschulkinder, die zum Werscherberg kommen, sind bereits in anderen Regelschulen gescheitert, so Johannes Faust. „Kinder, die nur wenige Vokale sprechen, können nicht am Schulleben teilhaben“, sagte der Psychologe.

Die Ausschussmitglieder beurteilten die Situation genauso. Gleichzeitig bekräftigten sie erneut ihren Willen, schrittweise das Konzept der inklusiven Schule für alle umzusetzen. „Wir sind absolut keine Gegner der Inklu sion“, bekräftigte Kornelia Hunsche-Frach.

Für den Erhalt der Förderklassen in Bissendorf wollen die Ausschussmitglieder jetzt alles in Bewegung setzen. Eine Stellungnahme mit dem Sachverhalt der besonderen Situation in Bissendorf ist unterwegs zum Kultusministerium, versehen mit dem Appell, das Wohl der Sprachheilkinder im Auge zu behalten.


NOZ vom 08.07.2013

Schulbegleiter hoffen auf Fortsetzung

Projekt an Grundschulen läuft aus – Landrat Lübbersmann: Kreis arbeitet an Konzept

Bissendorf. Seit dem vergangenen Schuljahr sind Schulbegleiter an 49 Grundschulen im Landkreis Osnabrück Ansprechpartner für Eltern und Schülern mit allen möglichen Sorgen. Doch kaum haben sich Kinder und Erwachsene an ihre Schulbegleiter gewöhnt und sie schätzen gelernt, steht schon das Ende des bis zum 31. Dezember befristeten Pilotprojektes vor der Tür. Landrat Michael Lübbersmann macht allerdings Hoffnungen, dass die Ansätze des Projektes fortgeführt werden könnten.

„Es kann nicht sein, dass der Landkreis uns Projekte implantiert und die dann wieder abzieht“, betont Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter. „Bis heute gab es keine Mitteilung gegenüber der Gemeinde und den Schulen, ob das Projekt fortgeführt wird“, ärgert er sich.

Heike Oberkötter, Schulleiterin der Grundschule Bissendorf, hat sich bereits schriftlich an den Landrat gewandt mit der Bitte, dass sie ihre Schulbegleiterin Petra Hübner behalten kann. „Wir hatten uns schon lange eine Sozialpädagogin gewünscht“, sagt sie. Es gehe um viel: „Sozialtraining in den Klassen, Stärkung des Wir-Gefühls, Hilfe bei Außenseiterdasein“, zählt Oberkötter auf.

„Meine Stelle ist eine gute Möglichkeit, den Kontakt zu den Eltern herzustellen“, sagt Hübner. Ihre halbe Stelle teilen sich die Grundschulen Bissendorf und Schledehausen zu jeweils zehn Stunden. Zusammen mit Oberkötter bietet Hübner auch Elternkurse an. „Darüber kennen die Eltern mich“, betont sie. „Da ich mit den Zensuren nichts zu tun habe, haben die Eltern auch wenig Bedenken, mich zu kontaktieren.“ Natürlich handele es sich bei den Grundschulen Bissendorf und Schledehausen um keine Brennpunktschulen. „Aber wir können so die Familien da abholen, wo ihre Probleme sind“, betont Hübner. Das heißt: Wenn eine Familie etwa Geldprobleme hat, vermittelt Hübner weiter zu Stellen, wo es Fördermittel für Klassenfahrten gibt. „Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, um Orientierung zu bieten.“ Hübner hat auch in Streitsituationen die Möglichkeit, den Kindern viel Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken – quasi als zusätzliche Kraft in großen Klassen. Wichtig ist Hübner, dass es sich um ein außerschulisches Angebot handelt. Heißt: Auch wenn sie im Schulunterricht begleitend dabei sei, beziehe sich das ausschließlich auf das soziale Lernen.

Hübner und die anderen Schulbegleiter machen auch häufig auf Projekte aufmerksam, die es bereits gibt, „Mama lernt Deutsch“ zum Beispiel, erläutert Daniela Schönig, Projektkoordinatorin bei der Maßarbeit. „Der Ansatz ist, nicht irgendeine Struktur überzustülpen, sondern an jeder einzelnen Schule zu schauen, wo es Lücken gibt.“ Zu Beginn habe das Projekt für viel Unsicherheit und Verwirrung gesorgt, sagt Schönig. „Das hat sich aber im Laufe der Arbeit relativiert.“ Inzwischen sei ein Vertrauensverhältnis entstanden, und das Projekt beginne gerade, sehr gut zu laufen.

„Wir schauen jetzt natürlich schon, wie wir die Projekte darüber hinaus etablieren können“, sagt Petra Hübner. „Das sind zarte Pflanzen, die gepflegt werden müssen – auch in der Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen.“

Besteht denn Hoffnung, dass es 2014 weitergeht? „Die Erfahrungen des Projektes Schulbegleitung sind grundsätzlich positiv“, sagt Landrat Lübbersmann. „Die Verwaltung erarbeitet zurzeit ein Konzept, das verschiedene Bestandteile des jetzigen Projektes aufgreift und mit neuen Schwerpunkten sowie einer veränderten Struktur versieht.“ Das Konzept solle den Kommunen vorgestellt werden, das letzte Wort haben die Landkreispolitiker.


NOZ vom 08.07.2013

 

Walking-Bus startet in Achelriede

Kinder, die zur Schule laufen, kommen besser an und sind gesünder, meinte Maike Glandorf. Dieser Meinung schlossen sich viele andere Eltern an. Jetzt ist der Walking-Bus das Transportmittel der besseren Wahl. Startpunkt ist an jedem Schulvormittag um 7.30 Uhr am Kindergarten Achelriede.

Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Grundschule fahren, sind dem Schulelternrat und dem Lehrerkollegium schon lange ein Dorn im Auge. Schließlich sollen die Wege und Straßen zum Schulzentrum möglichst verkehrsarm sein. Schulelternrat und Grundschule riefen zu mehr Rücksichtnahme und Verkehrsberuhigung auf und hatten vielfach Erfolg

Wer zu Fuß geht, regt vor dem Unterricht Körper und Geist an und schnuppert außerdem frische Luft. Nun führt allerdings der Fuß-Schulweg auch an stark befahrenen Straßen entlang. Was ist, wenn die Grundschüler energiegeladen mal neben den Bürgersteig treten? Begleitung wäre also der Idealfall. Hier kommt die Idee von Maike Glandorf ins Spiel, die sich den Osnabrücker Stadtteil Voxtrup zum Beispiel nahm, wo ein Walking-Bus eingesetzt wird. Mit dem Walking-Bus geht nämlich beides. Die Schüler gehen zu Fuß und werden sicher begleitet. Die Verkehrswacht Bissendorf, die Gemeinde und Schulleitung zogen bei dieser Idee mit

 

Sechs Haltestellen

Jetzt gibt es sechs Walking-Bus-Haltestellen zwischen der Kita Achelriede und der Grundschule. Haltestellenschilder, Warnwesten und Verkehrskellen wurden besorgt und das Wichtigste: Es gibt Mütter, Väter, Opas und Omas, die die Kinder zur Schule begleiten.

Vom Startpunkt des Walking-Busses gegenüber der Kindertagesstätte Achelriede geht es durch die Siedlung zum Kreisel und dann direkt zur Schule. Unterwegs werden die anderen fünf Haltestellen angelaufen. Die Walking Bus-Treffs sind unübersehbar: ein Fußumriss auf blau-rotem Haltesymbole. Etwa sechs Kinder benutzen den „gehenden Bus“ begleitet von einem Erwachsenen. Auf der Strecke steigen weitere Kinder zu, das heißt, sie schließen sich dem Zug zwischendurch an oder warten an den blau-roten Haltestellen. Die Gruppe fällt mehr auf als ein einzelner Schüler, und wenn es sein muss, können die Erwachsenen „bremsen“. Michael Schröder, Stephanie Läkamp, Vera Bielert, die mit weiteren Ehrenamtlichen einmal in der Woche den Lotsendienst übernehmen, wünschen sich weitere Ehrenamtliche. Denn nach den Sommerferien kommen die Erstklässler hinzu. „Dann werden wir sicherlich mehr als 15 Kinder zur Schule führen, und dafür sollte man zu zweit sein“, so Vera Bielert. Auch die Zweitklässler Tom und Niklas meinen, dass der Walking-Bus auf zwei Beinen besser ist als der Schulweg auf vier Rädern. „Man läuft nicht allein und kann nebenbei gut quatschen“, so Tom und Niklas.


NOZ vom 01.03.2013

 

Kongress-Beginn in Osnabrück: Bewegung in der Schulpolitik gefordert

 

Osnabrück. Mit dem eindringlichen Appell, wieder mehr Sport und Musik zu unterrichten und nicht länger den kognitiven Fächern zu opfern, ist gestern in Osnabrück der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ eröffnet worden.

 

Mit mehr als 3000 Teilnehmenden aus Deutschland, vielen europäischen Ländern und Korea ist die dreitägige Veranstaltung der Universität Osnabrück und des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung der größte Kindheits-Kongress in Deutschland.

Inklusion sei eines der Hauptthemen dieser Tagung, sagte Kongressleiterin Renate Zimmer. Die Sport- und Bewegungswissenschaftlerin äußerte in Richtung der neuen niedersächsischen Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic die Hoffnung, dass die rot-grüne Regierung die Abmachungen aus dem Koalitionsvertrag einhalten werde.

„Die Koalition will aus der Ausnahme eine Regel machen“, versicherte die Ministerin. Das sei angesichts der Tatsache, dass Niedersachsen bei der Inklusion unter den Bundesländern das Schlusslicht sei, „eine große politische Herausforderung“. Der Kongress biete Praktikern die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnis in den Arbeitsalltag umzusetzen, lobte die Ministerin der Grünen. Bewegung und sinnliche Wahrnehmung würden in Kindertagesstätten vermittelt. Da sei das von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsgeld „das falsche Signal“, sagte Heinen-Kljajic unter großem Beifall.

Renate Zimmer ging in ihrer Ansprache hart mit der Schulpolitik ins Gericht. Nach dem schlechten Abschneiden bei den PISA-Studien seien Fächer wie Sport und Musik zugunsten kognitiver Fächer reduziert worden: „Manche möchten offenbar nur den Kopf in die Schule schicken, aber es kommt immer das ganze Kind.“

Dieses Bild griff Julian Nida-Rümlin in seinem Eröffnungsvortrag „Die physische Dimension der Bildung“ auf. Der Philosoph und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München kritisierte die „Vereinseitigung“ der Bildung und skizzierte eine Schule, die den ganzen Menschen berücksichtige: Der Tag beginnt mit Bewegung, anschließend folgen Fächer wie Musik und Kunst und dann die Vermittlung der Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Und dann sollen nach Nida-Rümelins Vorstellung die Kinder „selber denken“. Sie sollten ihre eigenen Ideen und Vorstellungen aussprechen können und ernst genommen werden, so verrückt ihre Vorstellungen auch erscheinen mögen: „Das geht.“

Deutschland habe in den vergangenen Jahren die Bildung vernachlässigt und liege 22 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt der Bildungsausgaben. Der Professor präsentierte seine Rechnung: Wenn Deutschland, gemessen am Bruttosozialprodukt, so viel in Bildung investieren wolle wie im Jahr 1977, dann seien zusätzliche 35 Milliarden Euro nötig. „Die Politik muss lernen“, sagte er schlicht.

Bewegte Kinder waren die Stars der Eröffnungsveranstaltung in der Osnabrückhalle. Der Kinderzirkus Luftikus der Grundschule Bissendorf zeigte, wie viel Spaß Sport und Spiel machen können. Der Anteil der Jungen unter den kleinen Artisten war im Verhältnis zu den Mädchen ähnlich gering wie bei den Tagungsteilnehmenden. Die Bildung von Vor- und Grundschulkindern ist weiterhin fest in Frauenhand.

NOZ, 17.12.2011

 

Mit dem Mathetiger die Erbsen zählen

Rechen-Olympiade in der Grundschule

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Bauen, rechnen und ausprobieren: Bei der Matheolympiade ging es an zwei Tagen in der Grundschule Bissendorf nur um Zahlen und Formen. Foto: Bärbel Recker-Preuin
b.r. Bissendorf. Wer sagt denn, dass Grundschulkinder noch keine Olympioniken sein können? Sogar eine Matheolympiade bereitet keine Probleme, im Gegenteil. Die Kinder der Grundschule Bissendorf waren mit Eifer dabei. Sie beschäftigten sich zwei Schultage lang mit Formen, Zahlen und allerlei Rechenexempeln. Noch vor den Weihnachtsferien erhalten die Sieger ihre Medaillen.
Der Mathe-Tiger war an diesen Tagen wohl gefragter als jeder Lehrer. Die gelbschwarze Raubkatze führte Tatze für Tatze durch die Schule und zu elf Stationen. An diesen Haltepunkten gab es Interessantes zu lösen, manchmal auch etwas zu schätzen oder zu rätseln. Zum Beispiel war Legospielen angesagt, allerdings nicht einfach drauflosbauen. Nach einem Bild mussten die verschiedenen Farben und die richtige Anzahl an Teilen zusammengesetzt werden. War das geschafft, musste eine Rechenaufgabe aus dem Gebauten formuliert werden. Gleich nebenan entstanden Baupläne und daraus eigenwillige Türme. Auch Falt aufgaben wurden erledigt.
Bei einer Station gibt es um Erbsenzählerei. Die guten ins Töpfchen, genau hinschauen, nachdenken und dann schätzen, um wie viele Erbsen es sich handelt.
Während sich die Dritt- und Viertklässler beim Fliesenlegen herausforderten, zählten die kleineren Grundschüler Ziegen und anderes Getier, auch die ersten Sudoku-Rätsel waren kein Problem.
Gut besucht war der Computerraum. Wie viele Mäntel hängen an der Garderobe? Das Nachzählen war ein Kinderspiel. Und wenn doppelt so viele Gäste kommen? Wer richtig antwortete, erhielt vom elektronischen Lehrer ein strahlendes Lächeln und von dem Richtigen vier Punkte. „Eine Matheolympiade macht sogar mehr Spaß als der Matheunterricht“, meinte ein kleiner Rechenkünstler. Dann stürmte er in die Aula. Dort gab es zur Entspannung das Riesen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel und Dominosteine, die sich mit ein wenig Geschick bald als lange Schlange durch die Aula zogen.
Jetzt müssen die Lehrer rechnen. Aus allen Laufzetteln werden die erreichten Punkte aller Mathe-Olympioniken ermittelt und am Tag vor den Weihnachtsferien die Jahrgangsbesten als Sieger bekannt gegeben.
 
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